Sucht?
Oktober 4, 2009
Ich denke, ich habe eine Sucht. Anders kann man es wohl nicht nennen, etwas einmal am Tag zu tun, teilweise, ohne Lust darauf zu haben – vom atmen, trinken, essen und schlafen mal abgesehen. Ich werde versuchen, diese “Tätigkeit” einen Monat lang einzustellen, allein um zu sehen, wie gut oder schlecht das funktioniert und was es für eine Auswirkung auf mein Wesen hat.
Es gab bisher keinen Versuch, dies so drastisch zu reduzieren, nicht seit 2004. Das macht mir Angst, weil ich die Auswirkungen nicht einschätzen kann, aber ist nicht alles einen Versuch wert?
Verhasste Momente
Oktober 3, 2009
Gestern gab es wieder zwei dieser Momente, in denen aufgeblitzt ist, was ich seit Jahren versuche zu verstecken, woran ich seit Jahren arbeite, dass diese Momente nicht geschehen. Die Momente in denen meine brutale Ader mit einem Ausbruch körperlicher Aggressivität auftaucht. Gestern gab es derer zwei.
Der erste, als mich ein Typ auf dem Bürgersteig, auf dem ich neben Be saß, angefasst hat, weil er meinte, dass wir zwei aufstehen sollten, damit ich sie heimbringen kann. Da sie durch den Alkohol keine Reaktion zeigen konnte, bin ich aufgestanden und hab ihm gesagt, er solle bitte weitergehen. Dann gab es einen kurzen Schubser von ihm und ich hatte ihn schon an der Jacke mit festem Griff gepackt – eine halbe Sekunde später wäre er wohl auf dem Asphalt gelandet, aber zum Glück hab ich mich erinnert, dass ich das nicht mehr machen will und körperliche Gewalt als sinnlos erachte, außer in Notwehr und das war es noch nicht. Fünf Sekunden später war er mit seiner Clique weg. Ich spürte noch einige Minuten lang das Blut in meinen Adern pochen.
Der zweite Moment war auf dem Heimweg, als F nicht reagierte, als ich sagte, er solle den Arm von meiner Schulter nehmen, sondern sogar meinte “Wieso?” und weiter nicht reagierte, als ich sagte “Weil ich es nicht mag”. Innerhalb von Millisekunden war mein linker Fuß ausgestreckt, meine Hand an seinem Revers und ich ließ ihn 30 Grad kippen. Fallen ließ ich ihn nicht, denn er ist nach wie vor mein Freund, auch wenn er Grenzen überschreitet, die ich bewusst setze und die er kennen sollte.
Beide Male waren es sehr heftige Reaktionen auf Körperkontakt, den ich nicht mag. Beide Male hat mich etwas aufgehalten, aber beide Male war ich wieder erschreckend kurz davor. Ich hasse diese Momente und sie beschäftigen mich noch Tage. Nur was soll man gegen unerwünschten Körperkontakt tun, wenn die Menschen auf die Worte nicht reagieren wollen? Sie gewähren lassen, damit sie es immer wieder tun? Es ist schwer, da eine wirkliche Lösung zu finden, mit der ich zufrieden bin.
Das ich an mich halten kann, im Gegensatz zu früher, ist auf jeden Fall gut.
E-Mails überall?
Oktober 1, 2009
Eins vorweg, ich begreife dies hier als Tagebuch, daher ist der folgende Eintrag sehr persönlich, aber wie alles hier ohne Namen.
Es fühlt sich komisch an, sein E-Mail-Postfach zu öffnen und dort zu lesen, dass ein Bekannter verstorben ist. Überhaupt ist es komisch, dass bei einem Todesfall eine E-Mail kommt und kein Anruf. Eine E-Mail ist oft so unpersönlich, vor allem von der Person, die mir das geschrieben hat, bekomme ich sonst nur Mails, die unsere gemeinsame Arbeit betreffen und eben nichts Privates. Über das Private wird eher geredet, wenn wir uns alle zwei Wochen mal treffen. Und dann kommt so eine Mail, mit einer allgemeinen Anrede, wie sie in diesem Kreis überall verwendet wird, wenn man nicht “Liebe Freunde und Freundinnen” sagen oder schreiben will, aber dennoch ausdrücken will, dass uns gemeinsame Werte verbinden. Das ist schon sehr verwirrend.
Wir werden seiner sicher am Montag gedenken, wenn wir uns treffen. Die Arbeit mal Arbeit sein lassen und einfach kurz innehalten. Schade um diesen sehr fröhlichen Mann. Möge er seinen Frieden finden und seine Familie Trost erfahren.
Der 1. Oktober
September 30, 2009
Heute ist der erste Oktober, der Tag, den ich mir vor mittlerweile vier Monaten als Startdatum ausgesucht habe, um mein Leben Stück für Stück zu ändern, wieder lebenswerter zu machen. Mit manchen Schritten hab ich selbstverständlich schon davor angefangen, gestern war zum Beispiel meine letzte Sitzung als Vorstandsmitglied, ich fahre seit Montag jeden Tag die 15 Kilometer mit dem Rad in die Uni, ich höre beim Radfahren Podcasts, sehe in den Übungspausen die Tagesschau, fühle mich wieder besser informiert und nicht mehr so “ach, es gibt noch ne andere Welt?”, wie vor einem dreiviertel Jahr, als ich beschlossen hatte, den Vorstand zu verlassen.
Ab heute kommt außerdem der zweite Teil stärker zum tragen, der Vorsatz, wieder mehr zu lesen und diesmal nicht nur Schund, den man schnell verschlingen kann. Ich bin neugierig geworden, seit ich während dem Urlaub, der immer noch in meinen Gedanken umherstreift, “Der Tod des Iwan Iljitsch” von Lew Tolstoi gelesen habe. Neugierig vor allem auf “Anna Karenina”. Das Buch werd ich mir aber erst gestatten, wenn ich die Bücher gelesen hab, die mit K geliehen hat. Als Belohnung sozusagen.
Zwei Kündigungen hab ich heute auch verfasst, eine an meinen Sportverein, eine an meine Bank. Wieder mehr Ordnung, wieder mehr Geld. Kein nutzloses Sparbuch, nur noch zwei Girokonten und ein Tagesgeldkonto und keine Mitgliedschaft mehr in dem Sportverein, dem ich seit 14 Jahren angehört habe, wo ich die letzten drei Jahre aber recht selten war. Lieber günstig trainieren in der Uni, im städtischen Bad, auf’m Rad und am See. Irgendwie tut’s trotzdem weh, davon Abschied zu nehmen, obwohl es nicht mehr mein Verein war, seit R aufgehört hat, uns zu trainieren und sich voll auf’s Häuserbauen konzentriert hat (ich weiß bisher von 14 Häusern). R war großartig, als Trainer, ein Urgestein, der die ganze Abteilung aufgebaut hat und der alle trainiert hatte – die heutigen Trainer, Hilfstrainer und die Schüler. Und er hatte die Zügel immer fest in der Hand, weshalb es nicht sonderlich gut ging, als er aufgehört hat, obwohl er es Stück für Stück über zwei, drei Jahre getan hat. Die Nachfolger waren gut, aber nicht Weltklasse, nicht ehemalige Betreuer der Olympiakader, keine Menschen, die schonmal im Circus in der Arena standen, keine die alle kennen und mit der Spitze unseres Sports per du sind, keine, die so viel erreicht haben, so große Ehre tragen dürfen und sich nicht drum scheren.
Ich freu mich auf diesen Monat, in dem viel endet, nicht zuletzt die Ferien, aber auch viel Neues beginnt.
Kulturkonsum und -aneignung
September 30, 2009
Gestern hatte ich mir darüber Gedanken gemacht, wie lange es wohl braucht, bis man sich ein gewisses Niveau an kultureller Bildung aneignet. In einer ersten Diskussion, dazu die ich gestern hatte, wurde die Meinung vertreten, dass ein sehr hohes Niveau nur über mehrere Generationen wachsen kann, weil das Elternhaus offen für Kultur sein muss und es notwendig ist, sich das von Anfang an anzueignen. Das war ziemlich deprimierend und hörte sich an, als hätte sich dieser Mensch in der Hinsicht bereits aufgegeben, entsprechend war ich dann auf der Suche nach einer anderen Meinung.
Da ich mit K am Abend ins Theater gegangen bin, kamen wir nach einem kurzen Gespräch über das Stück eben auf dieses Thema. Wahrscheinlich hab ich diese Diskussion gezielt befeuert, indem ich mit plakativen Thesen provoziert , immer weiter hinterfragt und Gedankenspiele eingebracht habe, weil mir dieses blöde “dazu braucht man mehrere Generationen Bildungsbürgertum” nicht aus dem Kopf ging.
Wir sprachen über die sehr dogmatische Vermittlung von Kultur (vor allem von Schriftstücken) in der (bayerischen) Schule und was überhaupt unter “Kultur aneignen” verstehen werden muss. Das der bloße Konsum keine Aneignung ist, darüber waren wir uns einig. Auch das zusätzliche Lesen von Sekundärliteratur, insbesondere von Interpretationen, ist noch keine Aneignung. Erst das sich darüber Gedanken machen, zulassen, dass es sogar das eigene Leben ändert, es beeinflusst, ist wirkliche Aneignung.
Nicht das Streben nach dem Konsum, beim Theater dem “netten Abend”, ist der Sinn, sondern die Gedanken, die man sich dazu macht. Dafür braucht man dennoch nicht mehr Zeit, als für den Konsum an sich, weil man sich diese Gedanken schließlich überall machen kann. Allerdings muss auch das Gespräch über die kulturellen Genüsse stattfinden, vor allem mit Menschen, die Fragen stellen und konträre Standpunkte vertreten. Eine Runde mit mehreren Personen, die alle die selbe Meinung haben, haben wir beide als kontraproduktiv erachtet, weil man in Gefahr läuft, diese Meinung einfach zu übernehmen, also der Gruppendynamik zu erliegen. Nur diese Menschen zu finden, die auch die richtigen Fragen (also die nicht einfachen, sondern die anregenden) stellen, ist extrem schwer, weil, und da waren wir uns auch wieder einig, die meisten Besucher eines Stücks in Staatstheatern, Opern und anderen Orten der Hochkultur eher auf den “netten Abend” aus sind und den Abend dann mit leichtem Geplauder über das Stück und einem Glas Wein ausklingen lassen, damit sie am nächsten Tag wieder 100% in ihren Jobs als Anwalt, Richter, Geschäftsführer oder Arzt sein können, ohne sich noch Gedanken zu machen.
Heftig gestritten haben wir über einen ganz anderen Punkt: Meine These war, dass es ein Hauptschüler, der nur die RTL2-Bildung hat und von Kultur nichts gehört hat, kaum eine Chance hat, sich in die Lage zu versetzen, sich Gedanken zu machen, zu konsumieren und zu überlegen, weil ihm die Übung fehlt. Ihre Gegenthese war, dass es für einen solchen Menschen viel einfacher ist, weil er nicht diese dogmatische Interpretationsvorprägung des Gymnasiums hat, wenngleich die Gefahr besteht, dass er irgendwann sagt “Kultur ist mir egal”, es also für belanglos hält.
Wir haben es dann mit einem Vergleich versucht, um uns dem Thema unaufgeregter zu nähern. Bei einer Durchfahrt durch eine Stadt, mit dem Rad oder dem Motorrad sieht man ein wenig von der Stadt und verschafft sich so einen Überblick, meine These, wie das Gymnasium funktioniert, nur eben das man auf das Motorrad festgeschnallt wird. Ihrer Meinung nach ist es eher eine Stadtführung – gelbe Häuser sehen scheiße aus, rote sind toll und beides wird einem gezeigt. Durch diese Stadtführung ist man dann so vorgeprägt, dass man automatisch auf den selben Wegen wandert und die selben Orte ansieht, zwar mehr Details erkennt, aber eben doch an immer den gleichen Gebäuden. Das Ziel ist ihrer Meinung nach eher ein Unterricht, der sagt “es gibt rote und gelbe Häuser” und es so stehen lässt, nur dazu auffordert: “Such mal danach, vielleicht siehst du ja auch noch grüne.”
Nur das kann der Unterricht meiner Meinung nach kaum leisten, weil in einem Klassenverbund doch recht schnell eine Gruppe entsteht, in der eine Meinung vorherrscht, sei es, weil sie alle eine Interpretation gelesen haben, sei es, weil sich einige an ein Alphatier anhängen, womit wir dann wieder bei der Gruppendynamik, die eine Diskussion eher erstickt, als befruchtet waren.
Da war es dann sehr schwer, weiterzukommen, im Gespräch, vielleicht auch weil wir es beide an unseren Schulen anders erlebt haben. Bei ihr schien es eher so gewesen zu sein, das vor allem auf das beschreibende Element der Literaturinterpretation Wert gelegt wurde, bei mir war es doch auch der Teil, der die eigene Meinung ausgeführt und argumentativ bekräftigt hat. Das wiederum hat mich sehr verwundert, weil sie doch auf einem Gymnasium war, das Wert auf die humanistische Bildung gelegt hat, weil sich dort vor allem das Bildungsbürgertum versammelt hat, während bei mir eher “Aufsteiger” aus dem Geldbürgertum (bildungsferne Eltern, die aber die Nachhilfe gerne zahlen) waren, weshalb auch Wert auf naturwissenschaftliche Bildung gelegt wurde und die humanistische Bildung wenig Beachtung fand. So wurde in meiner Schulzeit beispielsweise die kaum genutzte Bibliothek auf die halbe Größe reduziert und dafür der Sport- sowie der Bio-/Physik-Trakt erneuert.
Der Abend endete dann wieder mit leichter Plauderei, weil wir irgendwann zu geschafft waren, von dieser aufgeregten Diskussion. Aber auch diese Plauderei tat gut, weil es um Dinge ging, die uns beide beschäftigen, die uns beiden wichtig sind und so unsere Gemeinsamkeiten betont haben.
Geschützt: Das Volk und das Verliebtsein
September 27, 2009
9.15 Uhr und schon viel getan
September 22, 2009
Es ist 9.15 Uhr in M, ich hab ein Kapitel dieses mittelmäßigen Buches gelesen und kann nach wie vor kaum verstehen, weshalb es so gehypt wurde, das Geschirr steht abgewaschen in den Regalen und Schränken verstaut, drei Hemden hängen gebügelt an der Zimmertür, drei weitere hängen mahnend ungebügelt an der Rückseite, mein Bett ist abgezogen und das Lacken zusammen mit Handtüchern und anderer Kochwäsche in der Waschmaschine, ich hab nebenbei DRadioKultur gehört, fast 1,5 Stunden und es fühlt sich gut an, so früh schon einen halben Tag hinter sich zu haben.
Meinem Körper geht’s langsam wieder besser, der Magen grummelt nur noch und es brodelt nicht mehr. Nach soviel Arbeit am Morgen ist jetzt erstmal ein gutes Frühstück fällig, bevor ich darüber nachdenke, was ich alles einkaufen muss und was hier noch aufgeräumt werden sollte, bevor ich mich wieder in den Alltag meiner Semesterferien stürze, der vor allem bedeutet, auf der Straße zu stehen.
Und immer noch brodelt es…
September 21, 2009
Es ist echt eine Katastrophe – ich hab nun 4 Stunden durchgeschlafen, das gute Gefühl, voll Energie zu sein, das ich nach dem Blutspenden sonst immer gefühlt hab, hat sich nicht eingestellt (mein Körper reagiert – wie wohl jeder andere – mit einer Überproduktion, die im Sport – illegalerweise – für Eigenblutdoping verwendet wird). Ich fühle mich zwar nicht mehr krank, aber meine Energie reicht nicht aus, um ordentlich Pläne zu machen – ich verwerfe sie immer wieder, weil ich sehe, was es für ein Mist ist, wenn sie fertig sind.
Mein Magen ist immer noch sauer, trotz eines Medikaments gegen Sodbrennen, das ich normalerweise nie einnehme und das bisher immer gewirkt hat.
Irgendwie ist dieser Tag sehr seltsam, ich höre überproportional viele Podcasts, lese mehr als sonst, obwohl “Biss zum Morgengrauen” ein ziemlich mittelmäßiges Buch ist und esse und trinke mehr als sonst üblich, um dem Magen zumindest etwas zu tun zu geben und die Säure damit zu nutzen. Schließlich hab ich mir vorgenommen, bis zum Ende des Jahres wieder 10 Kilo mehr auf die Waage zu bringen, als vor 5 Tagen, als ich mich zuhause bei meinen Eltern gewogen habe und mit Erschrecken festgestellt habe, dass ich nur noch 60 Kilo gewogen hatte. Mein Kampfgewicht im Judo war vor 5 Jahren jedoch schon 65,6 Kilo (und das war “runtergehungert” um in der Klasse bis 66 kg anzutreten).
Die letzten drei Jahre waren wohl doch sehr intensiv und nicht ganz so gut für meinen Körper. Auch deswegen ist es Zeit, dass sich einiges ändert. Vor allem das regelmäßige Kochen und Bügeln kann ich mir nach dem Ende dieser verrückten Zeit wohl endlich wieder angewöhnen. Dann seh ich wieder ein wenig attraktiver aus – mit mehr Muskeln und Fett und gebügelten Hemden, die schön eng geschnitten an meinem Körper anliegen. Im Moment fehlt mir ein wenig das Gefühl, gut auszusehen und anziehend auf Frauen zu wirken, obwohl das Flirten ganz gut funktioniert.
Es brodelt…
September 21, 2009
Es brodelt immer noch in mir, mein Magen fühlt sich an, als ob dort ein Vulkan blubbern würde, kurz vor dem Ausbruch und ich weiß nicht, was es ist, weil es diesmal viele Gründe gibt. Zum einen Eifersucht, Missgunst, Angst, das letzte Bier gestern auf der Wiesn und das Blutspenden gerade eben, das meinen Kreislauf nochmal komplett durcheinander gebracht hat – zum ersten Mal fühle ich mich nach dem Blutspenden richtig übel – zum ersten Mal seit drei Jahren, in denen ich schon 15 Mal (5 Mal Vollblut, 10 Mal Thrombozyten) gespendet habe. Um meinen Magen zu beruhigen trinke ich Wasser und Karamalz, denn irgendwie hilft das Karamalz fantastisch gegen meinen fast immer übersäuerten Magen – die genaue chemische Reaktion dazu würde mich mal interessieren.
An das Schreiben des Stundenplans ist gerade nicht zu denken, dafür ist meine Leistung gerade zu weit im Keller. Das nervt mich und ich mache seit einer Stunde nichts anderes, als mir das Frauenforum des NDR reinzuziehen und ich muss zugeben, dass es mir ziemlich gut gefällt. Ein wenig deprimierend, wie bescheiden die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung sind, gut recherchiert und vor allem sehr gut ausgeglichen zwischen Sprech- und Musikspielzeit – für einen gelernten aufmerksamsdefizitären Menschen wie mich.
Zwei Wochen später…
September 20, 2009
Ok, ich gebe zu, die Artikelüberschrift ist unkreativ, aber mir fällt heute nichts besseres ein.
Es ist heute zwei Wochen her, dass ich von meiner Reise heimgekehrt bin. Ein paar Gedanken sind schon angekommen, aber ein paar Sachen setzen sich nach wie vor noch.
Ich hab mir viele Gedanken über die kommenden sechs Monate gemacht, denn dieses Semester soll sich vieles ändern. In drei Wochen höre ich auf, die Kasse der Jugendorganisation meines Vereins in meiner Heimatstadt zu führen und scheide damit auch aus dem Vorstand aus. Ein Amt, das ich drei Jahre innehatte und das mich nachhaltig geprägt hat. Im Moment geht mir der Vorsitzende ziemlich auf den Keks, weshalb ich nicht unglücklich bin, dass ich mir schon vor vier Monaten versprochen habe, aufzuhören und das bald öffentlich gemacht hab, um mir den Rückweg zu verbauen. Die gewonnene Zeit soll anders investiert werden und ich streite mich noch mit mir selbst, wie genau. Das Studium ist das eine, das muss angepackt werden, egal was kommt, aber die Sachen nebenbei sind das andere. Es gibt viele Ideen: Sprachen lernen, wieder mehr Sport machen, lesen, zeichnen, malen, Ideen wälzen, den Ortsverband aufbauen (ja, auch im Verein), Praktika machen, Menschen treffen und Konversation üben und noch viel mehr.
Nur die Zeit ist begrenzt und ich weiß, dass ich am besten funktioniere, am meisten leiste, mich am wohlsten fühle, wenn ich feste Abläufe habe. Etwas, was ich die letzten zwei Jahre fast nicht mehr hatte, weswegen Stück für Stück meine Energie weniger wurde und meine Batterie leer wurde. Also muss mal wieder ein Plan her, der Vorlesungen, Praktika zu den Vorlesungen, Lernzeit, Lesezeit, Ehrenamt, Sport und Freizeit gut zusammenbringt und in ein ausgewogenes Verhältnis setzt. Daran werde ich morgen, nach dem Blutspenden arbeiten, denn nach dem Blutspenden hab ich meistens eh keine Energie für wirklich anstrengende Kopfarbeit und Stundenpläne sind das nun wirklich nicht. Ein paar Sachen weiß ich schon, wie das meine Abende meistens freigehalten werden müssen, wegen Ehrenamt, Arbeit und Freunden – aber vielleicht bekomm ich einen regelmäßigen Abend für mich selbst hin, an dem ich schwimmen gehen und danach lese, bis mir die Augen zufallen. Das wäre im Moment wohl mein größter Wunsch – ein Date mit mir sozusagen – selbstsüchtig, absolut egoistisch, etwas, was ich auch gerne wieder ein wenig mehr wäre. Auch etwas, worüber ich noch nachdenken muss – wie egoistisch darf ich eigentlich sein?