Reisende Gedanken, reisender Zuweiss…
August 18, 2009
Es ist die letzte Woche, bevor ich auf meine Reise gehe, die mich in acht europäische Städte führen soll – in nur zwei Wochen. Die Reise ist irre, bekommt aber langsam Struktur, in zwei der Städte hab ich schon einen Platz zum schlafen gefunden – bei mir bisher komplett fremden Leuten. Der Glauben an das Gute muss vermutlich allein dafür schon groß sein, aber ich bin auch ein wehrhaftes Bürschchen.
Ich freu mich wahnsinnig darauf, auch wenn es erstmal Süd-West-Europa ist, aber für (Süd-)Ost bräuchte ich einfach viel mehr Zeit und mindestens eine Sprache mehr. Mit meinen Schulsprachen Deutsch, Englisch und Französisch kann ich mich dort wohl nicht ganz so verständigen. Zumal mein Französisch eine Katastrophe ist, aber in Frankreich nimmt mich auch ein Sozialarbeiter auf, der ist es vermutlich gewohnt, mieses Französisch zu lesen.
Das Fernweh wird von Tag zu Tag stärker, während ich meine Wohnung weiter einrichte (heute hab ich das Regal im Gang fertigbekommen), denke ich immer wieder an die Reise. Am meisten freue ich mich auf die größte und auf die kleinste Stadt auf meiner Route. Wieso mich die Schweiz so anzieht, obwohl ich dort noch nicht war, weiß ich nicht.
Was ist eigentlich die schönste Art zu reisen? Viel Zeit ist klar, aber welche Route, welches Fortbewegungsmittel? Ist es schön, sich kleeblattförmig (Rundreisen, mit Start und Ziel Heimat) um seinen Lebensmittelpunkt zu bewegen oder soll man lieber ganz raus gehen – die Breitengrade oder alte Handelsrouten entlang? Diesmal schwinge ich mich auf das Motorrad, dort bin ich alleine mit mir, bei mir, in meinen Gedanken, mit meiner Geschwindigkeit, halten wo ich will und wann ich will.
Die nächste längere Reise sollte wieder mit dem Zug sein, in Gesellschaft, egal ob zufällig oder verabredet. Aber diesmal fliehe ich eher vor der Gesellschaft von Menschen, deswegen bin ich auch nirgends länger als drei Nächte.
Ich bin wieder einem Menschen begegnet, dem ich einige Monate aus dem Weg gegangen bin, weil ich zu sehr verletzt war. Ich habe sie wiedergetroffen, um diese Spannungen, die waren abzubauen, das Drama aus der Geschichte herauszunehmen. Das war das einzige, wovon wir genug hatten: Drama.
Es hat sich nicht gut angefühlt, die Gespräche waren gut, aber die Stimmung war bedrückend, keiner von uns wusste, was er sagen darf und was nicht. Es wird wohl auch nicht mehr gut werden, eher Small Talk zwischen Bekannten, denn gutes Gespräch zwischen Freunden.
Das hat mich beschäftigt. Deswegen hab ich wieder nur Müll geredet, als A angerufen hat. Aber ich hab sie kaum verstanden, die Verbindung war mies. Irgendein altes Telefon. So sind wir an der Technik und meinen Gedanken gescheitert.
So bin ich wohl. Wenn ich angestrengt nachdenke bin ich abwesend, weit weg, und rede nur, um den leeren Raum zu füllen, obwohl ich die Klappe halten sollte. Ich vollende einen Satz, ohne mich an den Anfang zu erinnern und trotzdem ist es “mein” Satz. Mit Taten bin ich schneller, als mit Gedanken und Worten. Worte und Gedanken müssen reifen, darum kosten mich Briefe immer lange Zeit und in meinem ganzen Leben habe ich bisher nur sieben Briefe geschrieben, die privater Natur waren. Einen an meine Urgroßmutter, einen an meine Großeltern, einen an B., einen an J., einen an R., einen an A.L. und einen an A. Zwei Briefe im Erzählstil, zwei Entschuldigungen, einen Ego-Aufbauer/Abschiedsbrief und zwei Liebesbriefe. Die ersten zwei waren Briefe ohne Entwürfe. Einfach geschrieben, ohne viel zu korrigieren, wie hier in dem Blog. An die ersten zwei kann ich mich kaum erinnern. Da war ich höchstens 8. Die anderen fünf hatten mindestens drei vorhergehende Entwürfe. Aber sie waren gut, lasen sich gut und waren sicher unterhaltsam.
Vielleicht liegt das an meiner Generation, dass ich keine Briefe schreibe. Ich schreibe E-Mails, seitenlang, voll, aber doch nicht so dicht, so überlegt, wie die Briefe, die ich geschrieben hab. Die Briefe sind Einzelstücke, fast Kunstwerke. Die Mails werden das wohl nie schaffen.
Tut mir leid, wenn es wieder ein wenig unzusammenhängend war. Es ist wie gesagt “im Fluss” entstanden.
Umzugshelfer gesucht…
August 8, 2009
Während die Woche sich für mich sehr gut angefühlt hat, weil ich einiges geschafft habe, was ich mir vorgenommen hatte, war sie für einige Leute in meinem Leben nicht so toll.
Mein Vater verlässt nach gut 7 Jahren seine Langzeitfreundin, von der ich immer noch nicht weiß, wie lange sie die Affäre neben meiner Mutter war. Interessant war vor allem mal wieder, wie ich es erfahren habe: Ich hab mir bei ihm eine Stichsäge geborgt und als ich losfahren will, plaudert er noch ein wenig mit mir, zuerst über Gott und die Welt, die Arbeit und so weiter.
Irgendwann fragt er mich: “Was machst du ihn zwei Wochen?”
Ich: “Ich bin zwischen 22.8. und 8.9. im Urlaub.”
Er: “Das wär genau die Zeit, wo ich dich bräuchte.”
Ich: “Wofür?”
Er: “Für den Umzug.”
Ich: “Wohin zieht ihr denn?”
Er: “Nicht wir, nur ich. M. hat’s zu weit getrieben, ich hab mir eine Wohnung gekauft.”
Ich:”Wo?”
Er: “In A.”
Allein diese Art, wie er damit umgeht – grausam gleichgültig, voll geplant, er hat alles mit den Krediten seit zwei Wochen erledigt und hält es nicht für nötig, einen Ton zu sagen, obwohl wir uns die letzten Wochen ziemlich oft gesehen haben.
Um die Freundin tut’s mir nicht leid, die ist ein ziemlicher Drachen. Aber ihre Kinder, meine von mir quasi adoptierten Geschwister (sind nichtmal Stiefgeschwister, wenn mensch’s genau nimmt) haben jetzt mal wieder einen Puffer weniger und ich glaub kaum, dass sie besser drauf sein wird, wenn mein Vater nicht mehr im Haus ist.
Und meine Hausärztin, gleichzeitig Arbeitgeberin meiner Mutter, hat Krebs. Hautkrebs, kein sofortiges Todesurteil also, aber doch ernst zu nehmen. Schwirrt mir noch mehr im Kopf herum. So eine liebe, nette Frau, voll Power, immer flott unterwegs, gerademal um die 40, also noch viel Zeit vor sich. Hoffentlich.
Zu allem Überfluss hat mein bester Kumpel nach seiner Freundin nun auch seinen Traumstudienplatz nach zweimaliger Bewerbung verloren. Abgewiesen, trotz Eignung – Studiengang wegen Überfüllung geschlossen. Und er will nicht weg von hier, er will hier bleiben, um jeden Preis. Heimat ist eben doch Heimat. Und wie immer reden wir darüber nicht, sondern lachen über belanglose Dinge. Lachen lenkt von vielem ab.
Sehn sucht.
August 8, 2009
Ich höre meinen Anrufbeantworter ab, habe ein paar Nachrichten gelöscht, um Platz zu schaffen auf dem Band und dabei eine Nachricht vom 20. Mai (um 00.03 Uhr) wieder abgehört, die mein Herz hat höher schlagen lassen. Eine Nachricht von der Frau, die ich liebe, die ich jetzt fast eine Woche nicht gesehen hab und mit der ich nicht telefonieren konnte, weil ich immer bis spät in die Nacht unterwegs und/oder beschäftigt war. Zwei Nächte bis mindestens 3 mit K, eine Nacht bis um 2 mit Fl, eine Nacht allein mit Schablonen, Metallsplittern und Photoshop. Eine Woche die mir gut getan hat. Ich war laufen, hab viel geredet, viel geschafft, gewaschen, gebügelt, ein wenig umgeräumt, einen Plan von meinem Zimmer in meinem Kopf entworfen, viel nachgedacht über diesen Monat, der gerade erst begonnen hat.
Die Woche hat 2 unveröffentlichte Beiträge verursacht, mal sehen, ob sie irgendwann öffentlich werden können.
Und ich hab wunderbare frische Milch getrunken, heute nach dem Laufen. Bioland-Tagwerk-Milch. Wunderbar, mit viel Fett, fast zu schade für das Müsli, das ich danach damit zubereitet hab.
Ergänzung:
Das Sehnen hab ich damit beschrieben. Die Suche ist schwieriger zu beschreiben. Es war ein seltsamer Zustand zwischen wach und träumend, in dem ich mich heute morgen fast eine Stunde aufgehalten habe. Das ist wahnsinnig viel, weil ich wirklich nichts anderes getan hab, als den Traum weiterzuentwickeln, fast wie vor fünf Jahren, als das Träumen so abrupt aufgehört hat. Da spielt es fast keine Rolle mehr, dass der Traum “nur” von einem großen Garten, einem See, einem Sonnenuntergang, einem Labyrinth und einem (meinem?) Zimmer gehandelt hat. Der Garten war genial, viele Früchte, viele Beeren, ein Apfel und zwei Birnen später war ich am See gestanden. Dort stand irgendjemand neben mir, es war leider zu unscharf um zu erkennen, wer es war. Die Farben waren auch nicht so kräftig, als das mensch wegen der Farben auf eine Person schließen konnte. Dann der Sonnenuntergang. Das beste Wort dafür ist wohl apokalyptisch – dunkel, viel lila und blaue Farbtöne, durchzogen von einem unnatürlich tiefen Rot, das den Himmel wie ein Schwert zerteilte in 1000 Teile. Aus irgendeinem Grund, vermutlich weil ich irgendetwas gesucht hab, bin ich in den See gestiegen, obwohl er wie ein geschliffener, schwarzer Stein vor mir lag und ich nicht wusste, was mich erwartet. Kaum war ich in den See gestiegen, fiel ich, sehr lange, für einige Minuten, mitten in ein Labyrinth. Wieder war jemand neben mir und es fühlte sich an wie Gefahr, Angst, die einem die Kehle zuschnürrt. In dem Moment bin ich “aufgewacht”, hab den Traum weiterentwickelt, bis ich in einem Zimmer war, in dem ich mich sehr wohl gefühlt hab und ich war wieder alleine. Nur bis ich in diesem Zimmer war, hat es eine ganze Stunde gedauert, obwohl ich den Traum mitbestimmt hab. Es war beklemmend, bis kurz vor Betreten des Zimmers.
Insertcoolname, B., “Mein Plan” & ein guter Tag
Juli 18, 2009
Mittlerweile gibt es für Musikliebhaber die Möglichkeit, mp3s bei iTunes zu kaufen oder bei last.fm einfach so zu hören. Vor fünf, sechs Jahren war Kaufmusik im Internet nicht wahrnehmbar vorhanden, weswegen ich nach freier, kostenloser Musik im Internet gesucht hab. Dabei bin ich unter anderem auf eine Band namens Insertcoolname gestoßen, die es anscheinend immer noch gibt, die ihrem Stil treugeblieben sind und deren Aufnahmen mittlerweile echt gut hörbar sind, wenn man mal ein bisschen härteren Punk hören will. Sehr zu empfehlen, aber nur ein Gedanke am heutigen Tag.
Ein anderer Gedanke dreht sich um B., eine alte Freundin, an die ich die letzten Tage, nach einem ziemlich verrückten Traum, wieder öfter denken musste. B. ist eine Art Sandkastenliebe, ich war mit ihr in der Grundschule bestens befreundet und hab irgendwann mit 13 für sie geschwärmt und ihr einen selbst bearbeiteten Speckstein geschenkt. Der Hauptgrund, warum sie mir nie vollständig aus dem Kopf gegangen ist: Sie ist der einzige Mensch bei dem ich zu 100 % sicher weiß, dass sie mich nie angelogen hat oder mir bewusst irgendetwas verschwiegen hat, was ziemlich krass ist. Darüber hab ich oft nachgedacht und über einen Satz, den ich mit 16 mit voller Inbrunst gesagt hab: “Ich hätte kein Problem damit, sie zu heiraten, ich vertrau ihr blind.”
Seit diesem Traum seh ich sie öfter vor mir, auch in Tagträumen in der U-Bahn. Alles noch sehr wirr und ich komm nicht dahinter, wieso ich daran denken muss. Vielleicht, weil sie die einzige war, bei der ich mir eine Heirat ohne Bedenken vorstellen konnte oder doch eher wegen dem starken Glauben, den sie hat, ebenso wie ihre Zielstrebigkeit?
Ich weiß es nicht, im Moment spekuliere ich noch wild, woher die Gedanken kommen.
Mit diesem Gedanken eng verknüpft ist ein anderer Plan, nämlich mein Leben wieder ein bisschen lebenswerter zu machen und langfristige Ziele zu definieren.
Der Plan in 10 Jahren: Familie, Stadthaus oder Wohnung mit Balkon (Eigentum mit Schulden), ein kleiner, eigener Laden “um die Ecke”, damit ich auch Zeit für die Kinder hab, Zeit zu lesen, arbeiten, kreativ rumwerkeln und für Sport.
Und bei der Wohnungseinrichtung: Eindeutig gemütlicher, nicht mehr so abstoßend reinweiss, eben “zu weiss”, sondern mit ein bisschen mehr Holz, aber vor allem viel mehr Licht. Mit meinem bisherigen Lichtkonzept bin ich einfach mehr als unzufrieden.
Dann hab ich mir gedacht, ein paar Sachen kann ich doch sofort in Angriff nehmen, oder?
Also hab ich mal wieder eine Einkaufsliste für den Baumarkt zusammengestellt:
Holz (Tanne, Fichte), dunkelrote Beize, zwei Neonröhren mit warmem Licht, vielleicht Holzplatten für Laubsägearbeiten.
Außerdem werde ich nach einer Nachttischlampe suchen, wie ich früher eine hatte und dort eine energiesparende, warme Lampe anzubringen.
Der Rest meiner Gedanken zur Wohnung und zum Leben folgt morgen.
Ich wollte außerdem noch sagen, dass mein Tag heute war abgesehen von dem Wetter hier genial. Der Abschiedskuss heute war sehr gut mit den Worten zu beschreiben, die sie gewählt hat. Ich hatte nichts mehr hinzuzufügen.
Die Artikel sammeln sich…
Juli 16, 2009
Im Entwurfsstadium.
Seit ich weiß, dass jemand mitliest, den ich kenne und schätze.
Ich fühl mich heute beschissen und hoffe, der morgige Tag bringt mir wieder lautes Lachen in mein Leben, wenn ich wieder flirte, ratsche, Motorrad fahre, Kuchen esse und in irgendeinem Buch lese. Mal sehen, wie es wird. Ausschlafen, sich hübsch machen, das Motorrad nochmal durchchecken und dann losdüsen. Auf zum Starnberger See. Ich hab schöne Erinnerungen an diesen See. Ca. 100 Fotos und einen wunderschönen Nachmittag, vor fast einem Jahr. Vielleicht gehen wir morgen an der Bucht vorbei und ich erinnere mich wieder ganz genau. Ein Moment mehr, auf den ich mich morgen freuen kann. Denn:
Jeder Mensch, der Zeit mit mir verbringt hinterlässt Spuren auf meiner Seele. Mit der Zeit schrubbe ich die dunklen Spuren weg, bessere die Kratzer und Schnittwunden aus. Manchmal erwische ich dabei auch die guten Erinnerungen, die glitzernden, kleinen Kristalle, die zwar alles widerspiegeln, durch das Licht aber immer schön erscheinen. Meistens schaffe ich es aber, diese Kristalle aufzusammeln, festzuhalten und an den Orten zu verstecken, wo sie entstanden sind. Nur ich kann sie dort wiederfinden, nur ich kann sie sehen. Und egal wer mich auf meinem Weg begleitet, an einem Ort vorbei, an dem ich Schönes erlebt habe, er oder sie sieht mich immer ein wenig verwundert an, wenn mir plötzlich ein Lächeln über das Gesicht huscht.
Bis bald.
Der Lösungsfinder
Juli 6, 2009
Ich habe eine riesige Abneigung gegen Probleme und das macht mich für manche Menschen schier unerträglich.
Statt einfach nur zuzuhören, versuche ich das scheinbar faktisch bestehende Problem zu lösen. Das ist immer dann eine schlechte Eigenschaft, wenn es darum geht, dass mir mein Gesprächspartner oder meine Gesprächspartnerin nur erzählen will, was er oder sie auf dem Herzen hat, wenn es um verletzte Gefühle, unerfüllbare Wünsche, zerplatzte Hoffnungen oder Albträume geht.
Ich kann nicht anders, ich will so zwanghaft helfen, dass ich immer eine Lösung vorschlage.
Deine Eltern wollen dich nicht sehen, aber du brauchst einen Platz zum schlafen in deiner Heimatstatdt? – Ich kann dir einen besorgen.
Deine Freundin hat mit dir Schluss gemacht? Du bist mies drauf? – Gehen wir was saufen und danach flirten wir ein wenig mit allen Mädels, die uns über den Weg laufen. Nur damit du siehst, andere Mütter haben auch schöne Töchter.
Du kommst mit deiner Hausarbeit nicht vorran? – Ich setz mich gern daneben und du schreibst einfach mal, bis es passt.
Deine Mutter stresst dich? Du kannst dort nicht lernen und arbeiten? – Ich geb dir nen Schlüssel zu meiner Wohnung, dort hast du deine Ruhe.
Zwei dieser Lösungsvorschläge wurden angenommen, zwei wurden abgelehnt, weil sie das schlechte Gefühl nicht vertreiben können.